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Interview
12.03.2018

DIE VOLLDIGITALISIERUNG IST NOTWENDIG

Digitales TV-Signal durch die Kabelleitung
Die Umstellung des analogen auf das digitale Signal erfolgt nun auch beim Kabelfernsehen.
Copyright: „Zuhause“ / Telekom

Die Stoßrichtung ist klar. Nach der technischen Umstellung des Antennen-Empfangs in den letzten Jahren gehört nun auch bald das analoge Kabelfernsehen der Vergangenheit an. Bereits im Juni 2017 haben erste Kabelnetzanbieter damit begonnen, das analoge TV-Signal sukzessive abzustellen. Das Ziel ist, bis Frühjahr 2019 größtenteils dieses Vorhaben deutschlandweit abgeschlossen zu haben. In Zukunft kommen Fernsehen und Radio nur noch digital durch die Kabelleitung. Dies ist effizienter und ermöglicht der Mehrheit der Kabelkunden den Zugang zu zusätzlichen Angeboten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Großes Potenzial für Konnektivitätsprodukte
  • Projektbüro für die Abschaltung von analogen Signalen eingerichtet
  • Fernsehen künftig an jedem Ort, zu jeder Zeit und auf allen Endgeräten
Dr. Peter Charissé, Geschäftsführer ANGA,  Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V.

Wir sprachen mit Dr. Peter Charissé, Geschäftsführer ANGA, Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V. über die Volldigitalisierung des Kabelfernsehens

Das Thema Digitalisierung ist in aller Munde. Welche Chancen sehen Sie für die Kunden und die Netzbetreiber?

Neben wachsenden Bandbreiten sehe ich besonders großes Potenzial bei sogenannten Konnektivitätsprodukten: Der Breitbandanschluss hat die Chance, eine zentrale Rolle für Smart Home, Internet der Dinge und weitere Applikationen einzunehmen.

Bis Ende 2018, spätestens Anfang 2019 soll die analoge Übertragung beim Kabelfernsehen eingestellt werden. Was sind die Hauptgründe dafür?

Der analoge Fernsehempfang wird heute nur noch von weniger als zehn Prozent der Kabelkunden nachgefragt, nimmt aber einen riesigen Anteil an den Übertragungskapazitäten in den Netzen in Anspruch. Das ist nicht effizient und versperrt der großen Mehrheit der Kabelkunden den Zugang zu zusätzlichen Angeboten.

Welche Angebote sind das konkret?

Die Analogabschaltung schafft Platz für noch mehr Fernsehprogramme, insbesondere in hochauflösender Qualität (HD und UHD) und ermöglicht höhere Internetbandbreiten - was sich besonders viele Kunden wünschen.

Inwieweit ist die Abschaltung des analogen Kabelfernsehens politisch gewollt?

In der Medienpolitik besteht über die Notwendigkeit der Volldigitalisierung schon lange Einigkeit. Für Bayern und Sachsen steht sie sogar in den Mediengesetzen - mit der Vorgabe, das analoge Signal bis Ende 2018 abzuschalten. Auch für Bremen gibt es einen entsprechenden Gesetzesentwurf.

Wie stehen Sie zur Abschaltung des UKW-Hörfunks im Zuge der Analogabschaltung?

Auch für den Radioempfang via Kabel macht eine Umstellung auf digitalen Empfang Sinn, zumal hier deutlich weniger Haushalte betroffen sind als beim Fernsehen.

Für Zuschauer, die noch kein TV-Gerät mit digitaler Empfangsmöglichkeit besitzen, droht nach der Abschaltung ein schwarzer Bildschirm. Was sollten die Kabelnetzbetreiber im Vorfeld tun, um ihre Kunden ausreichend auf die Umstellung vorzubereiten?

Eine frühzeitige und umfassende Information der Kunden, möglichst unter Einbindung der Wohnungswirtschaft, ist von zentraler Bedeutung. Auch unser Verband ist dazu in vielfältiger Weise aktiv.

Wie genau unterstützt die ANGA ihre Mitglieder bei der Voll-digitalisierung des Kabelfernsehens?

Gemeinsam mit anderen Branchenpartnern wie den Landesmedienanstalten, Programmanbietern, der Telekom und Vodafone haben wir ein spezielles Projektbüro ins Leben gerufen, das den Netzbetreibern zu allen Fragen der Kommunikation zur Seite steht. Das gilt für die Abschaltung der analogen Signale ebenso wie für die anschließende Kanalrasteroptimierung zur Neusortierung der verbleibenden digitalen Sender. Zudem führen wir umfassende Gespräche mit dem Bundesverband der Wohnungsunternehmen, um ein optimales Zusammenwirken von Netzbetreibern und Wohnungswirtschaft zu erreichen.

Wie weit sind andere europäische Länder bei der Digitalisierung des Kabelfernsehens und was können wir von diesen Ländern lernen?

Die Situation in Europa ist sehr unterschiedlich. Wir haben in den letzten Jahren in Deutschland rasante Fortschritte gemacht. Mir ist kein Land bekannt, in dem die Analogabschaltung zu ernsthaften Problemen geführt hat.

Die TV-Gewohnheiten der jungen Zuschauer unterscheiden sich zunehmend von der Mediennutzung der älteren Zuschauer ab. Das lineare Fernsehen verliert an Relevanz. Jeder kann mittlerweile zum Programmdirektor werden. Was bedeutet das für die Kabelnetzbetreiber?

Das Streaming und die zeitversetzte TV-Nutzung gewinnen ständig an Bedeutung. Für die Netzbetreiber ist es daher besonders wichtig, dass sie ihre klassischen linearen Angebote kontinuierlich um neue TV-Formate und Funktionalitäten ergänzen.

Ein Blick in die Zukunft: Was erhoffen Sie sich von der Digitalisierung des Kabelfernsehens und welche Trends sehen Sie in den kommenden Jahren im TV-Umfeld?

Das lässt sich in einem bekannten Dreiklang zusammenfassen: anywhere, anytime und any screen. Die Zuschauer werden Fernsehen künftig an jedem Ort, zu jeder Zeit und auf allen Endgeräten nutzen.

Wie schauen Sie selbst Fernsehen und welche Dienste nutzen Sie? Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Fernsehens?

Ich nutze Kabelfernsehen und Streaming. Die Kür der „neuen Fernsehwelt“ ist für mich ein einheitlicher virtueller Videorekorder für alle relevanten Fernsehprogramme, komfortabel und ohne Festplatte – und natürlich als Angebot meines Netzbetreibers.

Wir danken Dr. Peter Charissé, Geschäftsführer ANGA, Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V., für das Gespräch.

Zum Hintergrund

Zur Person Dr. Peter Charissé

Dr. Peter Charissé ist Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V. (ANGA) und Geschäftsführer der ANGA Services GmbH, der Veranstalterin der internationalen Fachmesse für Breitband, Kabel und Satellit „ANGA COM“.

Zuvor war er beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) für das Medien- und Telekommunikationsrecht verantwortlich.

Von 1996 bis 1999 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Dieter Dörr am Lehrstuhl für öffentliches Recht, Völker- und Europarecht in Mainz. Dort hat er über verfassungs- und europarechtliche Fragen der Rundfunkveranstaltung promoviert.

Nebenamtlich war er in der europarechtlichen Ausbildung von Rechtsreferendaren an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer tätig.

Persönliche Beratung

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